Positionspapier zur Vergrämung des Wolfs mittels Hard Release veröffentlicht

Berlin, 25.03.2026: In Sachsen wurde am 22.11.2025 ein sieben Monate alter Wolfswelpe („MT15“) eingefangen und im Rahmen einer sogenannten „Hard Release“-Maßnahme wieder freigelassen. Ziel war es, den Wolf durch gezielte Stressreize zu „vergrämen“, damit er Menschen künftig meidet.

Das uns vorliegende Videomaterial zeigt jedoch eine Vorgehensweise, die weit über eine fachlich vertretbare Maßnahme hinausgeht: Während sich das Tier in einer Transportbox befand, wurde gegen die Kiste getreten, mit Gegenständen hineingestoßen und massiver Lärm erzeugt. Nach der Freilassung wurde der Wolf verfolgt, angeschrien und mit Gegenständen beworfen. Diese Form der Vergrämung bedeutet für das Tier erheblichen Stress.

Wir haben diesen Vorfall bei den zuständigen Behörden zur Anzeige gebracht, öffentlich kritisiert und eine unabhängige Stellungnahme sowie ethologische Beurteilung der Vergrämung eines Wolfes mittels Hard Release eingeholt.

Das Positionspapier kommt zu einem eindeutigen Ergebnis:

Die Wirksamkeit von Vergrämungsmaßnahmen gegenüber Wölfen ist insgesamt nur unzureichend erforscht, für die Methode des „Hard Release“ existieren derzeit keine wissenschaftlichen Belege. Insbesondere die im Video dokumentierte Einwirkung auf das Tier innerhalb der Transportbox wird als kritisch bewertet. Der Wolf war einer Vielzahl aversiver Reize ausgesetzt, ohne die Möglichkeit zu fliehen oder sein Verhalten anzupassen. Ein gezielter Lernprozess – also die Verknüpfung von Verhalten und Konsequenz – ist unter diesen Umständen nicht möglich.

Das Positionspapier bewertet diese Phase daher klar als vermeidbares Tierleid ohne erkennbaren Nutzen. 

Auch die eigentliche „Hard Release“-Phase nach der Freilassung wird wissenschaftlich als nicht ausreichend belegt eingestuft. Studien zu vergleichbaren Methoden zeigen, dass solche Maßnahmen häufig keine nachhaltige Verhaltensänderung bewirken.

Grundsätzlich betont das Positionspapier, dass die Gefahr durch Wölfe für den Menschen extrem gering ist und Vergrämung nur als letztes Mittel eingesetzt werden sollte. 

Wir fordern eine vollständige Aufarbeitung des Vorfalls sowie eine klare Neubewertung solcher Maßnahmen:

  • Keine Anwendung nicht evidenzbasierter Methoden im Wildtiermanagement
  • Konsequente Einhaltung des Tierschutzrechts, auch bei behördlichen Maßnahmen
  • Unabhängige wissenschaftliche Begleitung bei Eingriffen in Wildtierpopulationen
  • Fokus auf Prävention statt Eskalation, insbesondere durch Aufklärung und das Verhindern von Anfütterung

Das Positionspapier steht zur freien Verfügung:

Ansprechpartnerin

Frau Samara Eckardt (Geschäftsführerin)

Team Tierschutz gGmbH

Kolonnenstraße 8
10827 Berlin

E-Mail:
presse@teamtierschutz.org