Aufgedeckt: Tierquälerei-Skandal bei Bauernverband-Spitze

Undercover-Recherche enthüllt beispielloses Leid in Betrieben der INITIATIVE TIERWOHL.

Strafanzeige gegen Agrar-Funktionärin Dorit Nyenhuis und ihre als Tierärztin praktizierende Tochter in der Geschäftsführung. Systematische Tierquälerei, Dunkelkammern und Behördenversagen entlarven das Tierwohl-Siegel als massiven Etikettenschwindel.

Berlin/Köselitz, 2. Juni 2026: Die Tierrechtsorganisation Team Tierschutz gGmbH hat bei der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau eine umfassende Strafanzeige wegen des Verdachts auf schwerster, systematischer Tierquälerei gegen die Gesellschafter und die Geschäftsführung der Ferkelaufzucht Madoma GmbH (Standorte Köselitz und Kleinleitzkau, Sachsen-Anhalt) gestellt. Das auf monatelangen Undercover-Recherchen, Whistleblower-Aussagen und versteckten Kameras basierende Beweismaterial dokumentiert nach Auffassung der Tierrechtsorganisation einen erschütternden Betriebsalltag, der von mutmaßlich roher Gewalt, unterlassener Hilfeleistung und massiven Verstößen gegen das Tierschutzgesetz geprägt ist.

Der Fall birgt eine immense politische und gesellschaftliche Sprengkraft, da die Verantwortlichen zu hochrangigen Vertreterinnen der regionalen Agrarwirtschaft und Tiermedizin gehören und die familieneigenen Betriebe mit dem Siegel der „INITIATIVE TIERWOHL“ zertifiziert sind.

Vorwurf der Verbrauchertäuschung: Kritik an Zertifizierung durch INITIATIVE TIERWOHL

Beide dokumentierten Standorte tragen das Siegel der INITIATIVE TIERWOHL (ITW). Die Aufnahmen stellen dies nach Ansicht von Team Tierschutz als massiven Etikettenschwindel für den Verbraucher dar, die an der Supermarktkasse unwissentlich einen Aufpreis zahlen.

Die ITW gibt an, jeden ihrer zertifizierten Betriebe durchschnittlich zweimal pro Jahr zu kontrollieren. Dennoch dokumentieren die Aufnahmen am Standort Köselitz fensterlose Stallbereiche, in denen das Licht offenbar nur bei Bedarf eingeschaltet wird. Ein solcher Zustand würde den Kriterien einer ITW-Zertifizierung widersprechen. „Ein Stallabteil ohne Fenster entsteht nicht über Nacht. Wenn Auditoren bei Kontrollen solche offenkundigen baulichen Mängel nicht bemerken – oder nicht bemerken wollen -, dann steht das System der INITIATIVE TIERWOHL vor grundlegenden Glaubwürdigkeitsfragen“, kritisiert Samara Eckardt, Geschäftsführerin der Team Tierschutz gGmbH, scharf. „Darüber hinaus dokumentieren wir mutmaßliche Überbelegungen der Buchten. Dieser Fall offenbart aus unserer Sicht ein eklatantes Systemversagen bei der Vergabe und Kontrolle des Siegels. Das Zertifikat droht hier zum reinen ‚Greenwashing‘ mutmaßlicher Tierquälerei zu werden.

Die politische Dimension: Schwere Vorwürfe gegen Verantwortliche

Die vorliegenden Videoaufnahmen belasten aus Sicht der Tierrechtsorganisation insbesondere zwei verantwortliche Personen, deren berufliches und politisches Wirken in starkem Widerspruch zu den dokumentierten Zuständen stehen:

1. Dorit Nyenhuis (Mitbetreiberin & Agrarfunktionärin): Frau Nyenhuis ist nicht nur Mitbetreiberin der Anlage, sondern eine zentrale politische Figur der Agrarlobby. Sie ist Fachausschussvorsitzende im Bereich Schwein des Bauernverbands Sachsen-Anhalt, im Vorstand des Bauernverbands Jerichower Land sowie in der Geschäftsführung des Schweinewirtschaftsverbands Sachsen-Anhalt e.V. gelistet. Die Aufnahmen zeigen, wie die oberste Interessenvertreterin der Schweinehalter in Sachsen-Anhalt sterbende Ferkel in den Fluren ihres eigenen Betriebs ignoriert, notwendige Nottötungen aufschiebt und Tiere unsachgemäß und schmerzhaft an Bein und Ohr hochnimmt. Sie schaut auch tatenlos dabei zu, wie ein Mitarbeiter Ferkel zum Setzen der Ohrmarke an der Schnauze hochzieht. „Wer als moralische Stimme der Landwirtschaft agiert, während im eigenen Betrieb Ferkel rechtswidrig auf den Boden geschlagen werden und verletzte Sauen im Kot liegen, verliert jede Glaubwürdigkeit. Wir fordern den sofortigen Rücktritt von Dorit Nyenhuis aus allen Ämtern des Bauernverbandes“, erklärt Samara Eckardt.

2. Die Geschäftsführung (zugleich praktizierende Tierärztin): Die amtierende Geschäftsführerin der Madoma GmbH und Tochter von Dorit Nyenhuis ist praktizierende Tierärztin und wird bei der ITW offiziell auf der „Liste der Stallklima-Experten und Probenehmer Tränkwasser“ geführt. Das Videomaterial zeigt, dass Ferkel unzureichend betäubt kastriert wurden. Auf den Aufnahmen ist offenbar die Tierärztin und Geschäftsführerin selbst beim Verabreichen von Injektionen zu sehen, woraufhin die Ferkel kastriert wurden, obwohl die Tiere erhebliche Schmerzreaktionen zeigten; eine ausreichende Prüfung der Narkosetiefe wird nicht vorgenommen. Samara Eckardt hierzu: „Dass eine approbierte Tierärztin eine solche Praxis im eigenen Betrieb duldet und offenbar daran mitwirkt, ist für uns ein beispielloser Skandal. Wir fordern die zuständige Tierärztekammer auf, den Fall lückenlos zu prüfen und berufsrechtliche Konsequenzen bis hin zum Entzug der Approbation zu prüfen.

Auszug aus den dokumentierten Vorwürfen (Nov. 2025 – März 2026)

  • Vorwürfe roher Gewalt durch Personal: Das Videomaterial zeigt eklatante Gewalttaten des Personals. Es offenbart sich ein Umgang, bei dem sich Mitarbeiter teils über die Schmerzreaktionen der Tiere amüsierten.
  • Mutmaßlich rechtswidriges Schlagen und Entsorgen von Ferkeln: Lebensschwache Ferkel werden von Arbeitern auf harte Betonböden oder Buchtenkanten geschlagen. Überlebende, zuckende Tiere wurden teils unversorgt liegen gelassen oder noch lebend in Kadaver-Schubkarren geworfen.
  • Mutmaßliche Misshandlung von Muttersauen: Die Aufnahmen zeigen auch, wie Schweine getreten, geschlagen und mit spitzen Gegenständen malträtiert werden. Es liegen auch Aufnahmen vor, die den unzulässigen Einsatz von Treibgeräten nahelegen.
  • Kritik am Zustand der Krankenbuchten: Schwerverletzte Sauen mit massiven Nekrosen, offenen Wunden und heraushängenden Zungen liegen unversorgt in ihrem eigenen Kot statt in sauberen, ITW-konformen Buchten.
  • Defekte Tränken: In einigen Stallabteilen waren die Tränken in der Nacht funktionsuntüchtig. Somit hatten die Tiere keinen Zugang zu Wasser. Außerdem liegen im Bereich der Abferkelung vollfixierte Muttersauen für vier Wochen unter defekten Tränken und sind einem permanent tropfenden Nass ausgesetzt.

Kein Einzelfall, sondern Systemkritik

Samara Eckardt zieht ein klares Fazit: „Dieser Fall zeigt in erschreckender Deutlichkeit: Es spielt letztlich keine Rolle, welche wohlklingenden Siegel die Industrie nutzt. Die Tierindustrie bleibt immer ein System, das auf der systematischen Ausbeutung fühlender Lebewesen beruht. Was wir hier sehen, ist kein tragischer Einzelfall. Wer diese Grausamkeiten nicht länger unterstützen möchte, sollte auf das einzige Siegel achten, das wirklich Tierwohl garantiert: das Vegan-Label.

Skandal im Skandal: Behördenversagen durch Polizei und Veterinäramt

Auch das Verhalten der zuständigen Behörden vor Ort wirft Fragen auf. Die Polizei Wittenberg weigerte sich trotz konkreter Hinweise auf laufende Straftaten (betäubungslose Kastration), einen Streifenwagen zu schicken. Der Amtsleiter des zuständigen Veterinäramtes (Landkreis Wittenberg), Dr. Meyer erschien zwar vor dem Betrieb, wartete dort jedoch rund zwei Stunden auf eine Kollegin, da er aus seuchenhygienischen Gründen nicht eintreten durfte. Er habe am selben Morgen bereits bei einer Schweineverladung geholfen. Dadurch wurde die Belegschaft gewarnt und der Betrieb erhielt rund anderthalb Stunden Zeit, Beweise zu vernichten, Tiere beiseite zu schaffen und sich auf die Kontrolle vorzubereiten.

Ansprechpartnerin

Frau Samara Eckardt (Geschäftsführerin)

Team Tierschutz gGmbH

Kolonnenstraße 8
10827 Berlin

E-Mail:
presse@teamtierschutz.org